
Hausnotruf für Senioren: Kosten, Zuschuss und Anbieter im Vergleich

Luisa Schneider
Pflegeberaterin
Ein Hausnotruf ist ein kleines Gerät, das im Notfall auf Knopfdruck eine besetzte Leitstelle alarmiert — meist einen Notruf-Dienst der Wohlfahrtsverbände oder einen spezialisierten Privatanbieter. Für viele Angehörige ist der Hausnotruf der Punkt, an dem sie wieder ruhig schlafen können. Dieser Ratgeber klärt Kosten, Zuschuss und worauf Sie beim Anbieter-Vergleich achten sollten.
Das Wichtigste in Kürze
Ein Hausnotruf kostet monatlich etwa 18 bis 35 € im Basis-Tarif. Die Pflegekasse zahlt bei anerkanntem Pflegegrad — bereits ab Pflegegrad 1 — einen Zuschuss von bis zu 25,50 € pro Monat (§ 40 SGB XI). In vielen Fällen trägt die Pflegekasse damit praktisch die gesamten laufenden Kosten.
Für wen ist ein Hausnotruf sinnvoll?
Ein Hausnotruf lohnt sich besonders für Menschen, die alleine leben oder tagsüber oft allein sind und ein erhöhtes Notfall-Risiko haben. Typische Anlässe:
- Sturzrisiko durch Gangunsicherheit, Schwindel, Parkinson oder ähnliche Grunderkrankungen
- Herz- oder Kreislaufprobleme, bei denen plötzliche Verschlechterungen möglich sind
- Frühe Demenz, bei der Orientierung in der Wohnung noch funktioniert, aber eine Notsituation nicht sicher bewältigt werden kann
- Angehörige leben weit entfernt und können nicht in wenigen Minuten beim Senior oder der Seniorin sein
Jenseits der medizinischen Funktion hat der Hausnotruf einen zweiten Effekt: Er nimmt Angst vor dem Alleinsein — sowohl der älteren Person als auch ihren Angehörigen. Viele Familien beschreiben es als den Punkt, an dem wieder länger zu Hause gelebt werden konnte, ohne den Umzug in eine stationäre Einrichtung in Erwägung zu ziehen.
Wie funktioniert ein Hausnotruf?
Ein Hausnotruf besteht aus zwei Teilen: einer Basisstation in der Wohnung und einem Notrufknopf als Armband oder Kette.
- Im Notfall drückt die betroffene Person den Knopf.
- Die Basisstation ruft automatisch die Notrufzentrale des Anbieters an — diese ist rund um die Uhr besetzt.
- Über die Freisprechanlage der Basisstation kann die Zentrale mit der Person sprechen und die Situation klären.
- Die Zentrale leitet die passende Hilfe ein — je nach Absprache einen benannten Angehörigen, den Pflegedienst oder den Rettungsdienst.
Modernere Geräte ergänzen das um Sensor-Technik: automatische Sturzerkennung, Bewegungssensoren, die Inaktivität über viele Stunden melden, oder GPS-Ortung für mobile Geräte. Wer sich oft außerhalb der Wohnung bewegt, braucht ein Mobilgerät mit SIM-Karte, kein stationäres System.
Hausnotruf-Kosten 2025 im Überblick
Die Kosten setzen sich aus drei Bausteinen zusammen:
| Kostenart | Typischer Betrag |
|---|---|
| Monatliche Grundgebühr (Basis-Tarif) | ca. 18–35 € |
| Einmalige Anschlussgebühr | 0–50 € |
| Zusatzleistungen (Schlüsseldepot, Sturzsensor, GPS) | je 3–15 € pro Monat |
Typisch im Basis-Tarif sind Notrufknopf, Basisstation, 24/7-Rufzentrale und Ersatzgeräte. Höhere Tarife ergänzen das um den sogenannten Hintergrunddienst — eine hinterlegte Schlüsselabgabe, damit die Leitstelle im Ernstfall in die Wohnung kommt, wenn die Angehörigen nicht erreichbar sind.
Der Zuschuss der Pflegekasse: 25,50 € pro Monat
Wenn ein Pflegegrad 1 bis 5 anerkannt ist und der Hausnotruf medizinisch oder altersbedingt erforderlich ist, zahlt die Pflegekasse:
- 25,50 € pro Monat für die laufenden Betriebskosten (§ 40 SGB XI, Pflegehilfsmittel zur Sicherheit)
- bis zu 10,49 € einmalig als Anschluss-Pauschale
So beantragen Sie den Zuschuss: Der Antrag läuft direkt über den Hausnotruf-Anbieter. Er rechnet die 25,50 € direkt mit der Pflegekasse ab — Sie müssen keine Rechnungen einreichen. Voraussetzung ist, dass der Anbieter einen Versorgungsvertrag mit den Pflegekassen hat (was bei allen großen Wohlfahrtsverbänden der Fall ist).
Ausführlich erklärt steht das Antrags-Vorgehen im Ratgeber Hausnotruf mit Pflegegrad.
Passenden Hausnotruf-Anbieter finden
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Jetzt Anbieter vergleichenAnbieter: Wohlfahrtsverbände und private Dienstleister
In Deutschland gibt es zwei Gruppen von Anbietern:
Wohlfahrtsverbände (bundesweit präsent, mit eigener Leitstelle):
- Johanniter-Unfall-Hilfe
- Malteser Hilfsdienst
- ASB Arbeiter-Samariter-Bund
- DRK Deutsches Rotes Kreuz
- Caritas / Diakonie (regional)
Private Anbieter (oft spezialisierter auf moderne Technik, GPS-Mobilgeräte und App-Anbindung):
- Libify, Hausnotruf.de, Sermex und weitere — in der Ausstattung oft flexibler, Preise schwanken stärker.
Worauf beim Vergleich achten?
Jenseits des reinen Preises sind drei Punkte entscheidend, die jeder Anbieter sauber beantworten sollte:
- Reaktionszeit der Notrufzentrale — wie schnell nimmt jemand im Ernstfall ab? Seriöse Anbieter nennen eine garantierte Antwortzeit (typisch unter 1 Minute).
- Schlüsseldepot-Regelung — liegt im Notfall ein Wohnungsschlüssel an sicherem Ort? Wer darf darauf zugreifen?
- Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen — idealerweise monatlich kündbar, keine 24-Monate-Bindung.
Stiftung Warentest hat zuletzt 2018 Hausnotruf-Anbieter umfassend verglichen. Da Preise und Leistungen sich seitdem deutlich geändert haben, lohnt es sich, die Anbieter aktuell zu vergleichen. Wir nennen in unserem Anbieter-Vergleich die jeweiligen Preise und Abrechnungsbedingungen mit Ihrer Pflegekasse.
Hausnotruf-Systeme im Vergleich
Die Wahl des passenden Systems hängt davon ab, wie mobil die Person ist und welche Risiken im Vordergrund stehen:
| System | Für wen? | Besonderheit |
|---|---|---|
| Stationärer Hausnotruf | Menschen, die die Wohnung selten verlassen | Günstigste Variante; fest installiert, Knopf als Armband/Kette |
| Mobiler Hausnotruf (mit SIM-Karte) | Aktive Senioren, die noch spazieren gehen | Funktioniert auch außerhalb der Wohnung, teilweise mit GPS |
| System mit Sturzsensor | Hohes Sturz-Risiko | Erkennt Stürze automatisch, alarmiert ohne Knopfdruck |
| System mit Bewegungsmelder | Menschen mit Demenz oder kritischer Grunderkrankung | Löst Alarm aus, wenn über Stunden keine Bewegung in der Wohnung erkannt wird |
| Smartwatch mit Notruf | Jüngere Senioren, die moderne Technik akzeptieren | Kleiner als klassische Knöpfe; Akku muss regelmäßig geladen werden |
Details zu jedem System erklärt der Ratgeber Hausnotruf-Systeme im Überblick.
Installation und Einrichtung
Die Installation dauert in der Regel unter einer Stunde. Der Techniker des Anbieters:
- schließt die Basisstation an Strom und Telefonleitung (bzw. SIM-Karte) an,
- testet die Notruf-Verbindung,
- übergibt den Notrufknopf und erklärt die Bedienung,
- nimmt die Angehörigen-Kontakte und ggf. das Schlüsseldepot auf.
Für den laufenden Betrieb müssen Sie praktisch nichts tun: Die Anbieter testen die Verbindung regelmäßig automatisch. Bei einem Stromausfall überbrückt der Akku der Basisstation typischerweise 24 bis 48 Stunden.
Häufige Fragen zum Hausnotruf
Ab welchem Pflegegrad gibt es den Zuschuss?
Ab Pflegegrad 1. Das wird oft falsch dargestellt — viele ältere Ratgeber nennen Pflegegrad 2 als Grenze, das ist seit Jahren überholt.
Was, wenn ich keinen Pflegegrad habe?
Ein Hausnotruf lässt sich auch ohne Pflegegrad privat beauftragen — dann fallen die vollen Kosten (18–35 €/Monat) an. Wer glaubt, dass ein Pflegegrad in Frage kommt, sollte ihn parallel beantragen — auch ein Pflegegrad 1 bringt den Zuschuss, den Entlastungsbetrag und Ansprüche auf Wohnungsanpassung.
Funktioniert der Hausnotruf auch ohne Festnetz?
Ja. Moderne Basisstationen nutzen entweder das klassische Festnetz oder eine integrierte SIM-Karte für das Mobilfunknetz. Fragen Sie beim Anbieter gezielt nach — gerade in Gegenden mit Glasfaser-Umstellung ist die Mobilfunk-Lösung oft die zuverlässigere Wahl.
Kann man den Hausnotruf mitnehmen in den Urlaub?
Mobile Geräte mit SIM-Karte: ja, deutschlandweit und oft auch EU-weit (Details beim Anbieter klären). Stationäre Geräte: nein — dafür gibt es auf Wunsch ein Leih-Mobilgerät.
Wie seriös sind automatische Sturzsensoren?
Gute Systeme erkennen einen echten Sturz zuverlässig, Fehlalarme sind aber nicht ausgeschlossen. Die Leitstelle meldet sich dann zuerst per Sprechverbindung — wer sich meldet und „alles in Ordnung" sagt, löst keinen Rettungseinsatz aus. Sturzsensor lohnt sich bei dokumentiertem hohen Sturzrisiko, nicht zur Beruhigung allein.
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