
Von Luisa Schneider, Pflegeberaterin
Stand 2026 · Geprüft von Pflegeberaterin Luisa Schneider
Welche Rollstuhl-Typen gibt es?
Rollstühle sind das wichtigste Mobilitätshilfsmittel für Menschen, die nicht mehr selbständig laufen können, und werden in vier Haupt-Bauformen unterschieden: Standard-Rollstuhl (manueller Schieberollstuhl), Aktiv-Rollstuhl (selbst antreibbar), Pflege-Rollstuhl (für Bettlägerige mit erweiterten Stützfunktionen) und Elektrorollstuhl (motorgetrieben).
Welcher Typ der richtige ist, hängt von Mobilität, Körperkraft, Pflegesituation und Einsatzort ab. Standard- und Pflegerollstühle werden im Regelfall vollständig von der Krankenkasse übernommen, auf ärztliches Rezept, mit nur ~10 € Eigenanteil.
Das Wichtigste in Kürze
Vier Rollstuhl-Typen: Standard-Rollstuhl (200–800 €, von Krankenkasse erstattet), Aktiv-Rollstuhl (1.000–3.000 €), Pflege-Rollstuhl (1.500–4.000 €) und Elektrorollstuhl (3.000–8.000 €). Die Krankenkasse zahlt das medizinisch notwendige Modell vollständig auf Rezept, Eigenanteil typisch 10 €. Bei Sondermodellen oder Komfort-Ausstattung Eigenanteil bis mehrere tausend Euro. Pflegekasse über § 40 SGB XI bei Anpassungen am Rollstuhl. Pflegehilfsmittelpauschale 42 €/Monat ab Pflegegrad 1 für Verbrauchsmittel.
Welcher Rollstuhl-Typ passt zu mir?
Vier Haupttypen decken die meisten Pflegesituationen ab. Welcher passt, hängt von Restkraft in den Armen, Pflegesituation und Einsatzort ab.
| Typ | Preis | Krankenkasse | Zielgruppe |
|---|---|---|---|
| Standard-Schiebe-Rollstuhl | 200–800 € | vollständig auf Rezept (~10 € Eigenanteil) | gelegentliche Nutzung, geschoben |
| Aktiv-Rollstuhl | 1.000–3.000 € | Standard-Anteil, Eigenanteil bei Komfort | selbständig antreiben, Restkraft in den Armen |
| Pflege-Rollstuhl | 1.500–4.000 € | vollständig auf Rezept | Bettlägerige, hochstellbar, mit Beinstützen |
| Elektrorollstuhl | 3.000–8.000 € | nur bei nachgewiesener Notwendigkeit | Lähmung, schwere Mobilitäts-Beeinträchtigung |
Vorteile eines passenden Rollstuhls
Der richtige Rollstuhl ist mehr als ein Transportmittel, er ist die Voraussetzung dafür, dass Mobilität, Selbstständigkeit und soziale Teilhabe trotz Gehunfähigkeit erhalten bleiben:
Mobilität trotz Gehunfähigkeit
Ein passender Rollstuhl ermöglicht Wege drinnen und draußen, Einkaufen, Arztbesuch, Familientreffen, und damit ein weitgehend normales Leben.
Druckgeschwür-Prophylaxe
Spezialkissen und individuelle Sitzschalen verhindern Dekubitus bei langem Sitzen. Bei Bettlägerigkeit ist der richtige Rollstuhl die wichtigste Druckentlastung.
Auf Rezept verfügbar
Die Krankenkasse zahlt das medizinisch notwendige Modell vollständig, Eigenanteil ~10 €. Sondermodelle und Komfort-Ausstattung haben Eigenanteile.
Anpassbar an Körpermaße
Sitzbreite, Rückenhöhe, Armlehnen, Beinstützen, alles individuell anpassbar. Eine gute Rollstuhl-Anprobe im Sanitätshaus ist Voraussetzung für stundenlanges schmerzfreies Sitzen.
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Krankenkasse, Pflegekasse und Eigenanteile im Detail
Bei Rollstühlen ist die Krankenkasse zuständig, die Pflegekasse zahlt nur ergänzend. Stand 2026:
| Leistung | Höhe |
|---|---|
| Standard-/Aktiv-/Pflege-Rollstuhl über Krankenkasse (Rezept) | 0 €, bis ~10 € Eigenanteil |
| Elektrorollstuhl bei medizinischer Notwendigkeit | Krankenkasse, Einzelfall |
| Komfort-Rollstuhl / Sondermodelle | Eigenanteil 1.000–4.000 € |
| Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (Sitzkissen, Schutzhülle u. a.) | 42 € / Monat Pauschale |
| Voraussetzung Pflegegrad | ab Pflegegrad 1 (für Pauschale) |
So läuft die Vermittlung über Seniorenrat
- 1
Anfrage stellen
Pflegegrad, gewünschter Rollstuhl-Typ (Standard, Aktiv, Pflege, Elektrisch) und Einsatzort, kostenlos und unverbindlich.
- 2
Passende Angebote erhalten
Sanitätshäuser senden Ihnen Modelle inklusive Rezept-Abwicklung über die Krankenkasse, meist Lieferung in 5–10 Werktagen.
- 3
Vergleichen und entscheiden
Sie wählen das Modell mit der besten Anpassung an Körpermaße, Mobilität und Pflegesituation, Standard komplett über Krankenkasse oder Komfort mit überschaubarem Eigenanteil.
Worauf Sie bei der Rollstuhl-Anprobe achten sollten
Sechs Punkte trennen einen Rollstuhl, der nach Wochen Schmerzen verursacht, von einem, der jahrelang passt:
- 1
Anprobe im Sanitätshaus
Mindestens 30 Minuten Sitzen, am besten mehrere Modelle vergleichen. Online-Bestellung ohne Anprobe ist riskant, der erste empfohlene Rollstuhl passt selten optimal.
- 2
Sitzbreite, Rückenhöhe, Armlehnen anpassen
Sitzbreite zwei Finger Spielraum links und rechts. Rückenhöhe bis Schulterblatt-Unterkante. Armlehnen auf Ellenbogen-Höhe, alles individuell anpassbar.
- 3
Sitzkissen separat verordnen
Standardmäßig kommt der Rollstuhl mit einfachem Sitzkissen. Anti-Dekubitus-Kissen oder Druckverteilungs-Kissen separat verordnen, über Pflegehilfsmittel-Pauschale.
- 4
Greifring-Durchmesser bei Aktiv-Rollstuhl
Selber-antreiben braucht passenden Greifring. Bei Tetraplegie oder schwacher Hand: speziell beschichtete Greifringe oder Greifhilfen. Im Sanitätshaus testen.
- 5
Faltbarkeit für Auto-Transport
Wer den Rollstuhl mit dem Auto transportiert: Faltmaß und Gewicht prüfen. Standard-Modelle 12–18 kg, Leicht-Aktiv 8–12 kg. Eigenes Auto vor Kauf testen.
- 6
Zubehör direkt mit verordnen
Tisch-Aufsatz, Ankipphilfe, Speichenschutz, Tasche, alles separat verordnungsfähig, aber nur wenn beim ersten Antrag mit aufgeführt. Sonst späteres Nachbeantragen aufwändig.
Häufige Fragen vor der Rollstuhl-Auswahl
Welcher Rollstuhl ist der richtige für mich?
Wer noch Restkraft in den Armen hat und selbst antreiben möchte: Standard- oder Aktiv-Rollstuhl. Wer geschoben werden muss und vorwiegend liegt: Pflege-Rollstuhl mit Beinstützen, hohem Rücken und Kipp-Funktion. Wer geistig fit ist, aber kraftlos: Elektrorollstuhl. Eine ausführliche Beratung im Sanitätshaus ist die wichtigste Entscheidung, der erste Eindruck täuscht oft.
Was kostet ein Rollstuhl?
Standard-Rollstuhl: 200–800 €, fast immer komplett von Krankenkasse erstattet. Aktiv-Rollstuhl: 1.000–3.000 € (oft mit Eigenanteil bei Komfort-Ausstattung). Pflege-Rollstuhl: 1.500–4.000 € (Krankenkasse zahlt Standard). Elektrorollstuhl: 3.000–8.000 €, Krankenkasse zahlt nur bei nachgewiesener Notwendigkeit.
Wie lange dauert die Rezept-Abwicklung?
Mit ärztlicher Verordnung: 1–2 Wochen bis zur Bewilligung durch die Krankenkasse, dann 5–10 Werktage Lieferung durch das Sanitätshaus. Bei komplexen Anpassungen (Sitzschale, individuelle Maße) kann der Prozess 4–8 Wochen dauern. Bei Eilfällen (z. B. Krankenhausentlassung) gibt es Eilanträge mit 1–3 Tagen Reaktionszeit.
Bekomme ich einen Elektrorollstuhl bezahlt?
Nur bei nachgewiesener Notwendigkeit: zu schwach für manuellen Antrieb, Lähmungen, schwere Arthrose, COPD u. ä. Die ärztliche Verordnung muss detailliert begründen, warum ein manueller Rollstuhl nicht ausreicht. Bei Ablehnung lohnt sich Widerspruch, ca. 30 % der Ablehnungen werden im Widerspruchsverfahren revidiert.
Was wenn der Rollstuhl nicht mehr passt?
Bei wesentlicher Veränderung der Pflegesituation (neue Diagnose, Pflegegrad-Erhöhung, Gewichtsveränderung) ist eine neue Rollstuhl-Verordnung möglich. Reparaturen am bestehenden Rollstuhl zahlt die Krankenkasse. Anpassungen wie neue Sitzkissen, Anti-Dekubitus-Auflagen oder Beinstützen werden über Pflegehilfsmittel abgewickelt.
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