Seniorenrat
A1-Formular für Entsendung von Betreuungskräften

Legal oder illegal? Die Rechtslage der 24-Stunden-Pflege in Deutschland

Luisa Schneider

Luisa Schneider

Pflegeberaterin

Was bedeutet „24-Stunden-Pflege" arbeitsrechtlich?

Der Begriff „24-Stunden-Pflege" ist keine juristisch definierte Bezeichnung. In Deutschland gilt das Arbeitszeitgesetz auch für Betreuungskräfte im Haushalt. Demnach darf eine Person maximal acht Stunden pro Tag arbeiten, mit Ausnahmen bis zu zehn Stunden täglich mit zeitnahem Freizeitausgleich.

Das Gesetz schreibt zudem eine ununterbrochene Ruhezeit von mindestens elf Stunden täglich vor. Eine einzelne Betreuungskraft darf daher rein rechtlich keine durchgehende 24-Stunden-Betreuung leisten – selbst wenn die Tätigkeit hauptsächlich aus Bereitschaftsdienst besteht.

Bundesarbeitsgericht-Urteil vom 24. Juni 2021

Das Bundesarbeitsgericht (Az. 5 AZR 505/20) entschied im Fall einer bulgarischen Betreuungskraft, die über eine Agentur vermittelt worden war. Die Kernaussagen:

  • Bereitschaftszeiten gelten als Arbeitszeit
  • Wer im Haushalt lebt und jederzeit erreichbar sein muss, arbeitet – auch ohne aktive Pflegehandlung
  • Eine rund um die Uhr tätige Betreuungskraft hat Anspruch auf Bezahlung der gesamten Zeit

Das Urteil verdeutlichte, dass die gängige Praxis, eine einzelne Betreuungskraft über Wochen oder Monate nahezu ununterbrochen einzusetzen, gegen deutsches Arbeitsrecht verstößt, wenn Arbeitszeit und Ruhezeit nicht korrekt eingehalten werden.

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Ja, sie kann legal sein – aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Es gibt drei Hauptmodelle:

1. Entsendungsmodell

Die Betreuungskraft ist bei einem Unternehmen im Ausland angestellt und wird vorübergehend nach Deutschland entsendet. Erforderlich sind:

  • Gültige A1-Bescheinigung (Nachweis der Sozialversicherung im Heimatland)
  • Zeitlich begrenzte Entsendung
  • Einhaltung des deutschen Arbeitsrechts (Mindestlohn, Arbeitszeiten)

2. Direkte Anstellung in Deutschland

Die Familie oder ein Pflegedienst stellt die Betreuungskraft direkt an. Anforderungen:

  • Regulärer Arbeitsvertrag
  • Abführung von Sozialabgaben und Lohnsteuer
  • Korrekte Regelung von Urlaub, Krankheit, Arbeitszeiten und Ruhezeiten

Dieses Modell ist oft teurer, aber rechtlich sehr sicher.

3. Selbstständige Betreuungskräfte

Betreuung als Selbstständigkeit kann legal sein – nur in Ausnahmefällen, wenn mehrere Auftraggeber betreut werden, eigene Arbeitsmittel verwendet werden und keine Weisungsgebundenheit besteht. In der Praxis handelt es sich oft um illegale Scheinselbstständigkeit.

Wann ist 24-Stunden-Pflege illegal?

Keine Sozialversicherung / fehlende A1-Bescheinigung

Fehlt die A1-Bescheinigung beim Entsendungsmodell, liegt ein Verstoß gegen EU-Sozialrecht vor – mit Konsequenzen für alle Beteiligten.

Schwarzarbeit: Barzahlung ohne Vertrag

Wer Betreuungskräfte bar bezahlt ohne Arbeitsvertrag, Lohnabrechnung oder Sozialabgaben, betreibt Schwarzarbeit. Das ist strafbar. Ohne Vertrag fehlt der Schutz für beide Seiten.

Überforderung durch überlange Arbeitszeiten

Wer erwartet, dass eine Betreuungskraft rund um die Uhr zur Verfügung steht, ohne Pausen und Ruhezeiten, verstößt gegen das Arbeitszeitgesetz.

Mögliche Konsequenzen für Familien

  • Bußgelder wegen Verstößen gegen Arbeitsrecht oder Schwarzarbeit
  • Nachzahlungen von Löhnen, Sozialabgaben und Steuern (auch rückwirkend)
  • In schweren Fällen: Strafverfahren wegen illegaler Beschäftigung

Auch Familien, die nur eine Agentur beauftragen, tragen Mitverantwortung, besonders bei offensichtlichen Mängeln.

Wie organisiert man legale 24-Stunden-Pflege?

Seriöse Vermittlungsagentur wählen

  • Transparente Vertragsunterlagen
  • Klare Regelungen zu Arbeitszeit, Aufgaben, Vergütung und Kündigung
  • Ansprechpartner in Deutschland
  • Vermeiden Sie unrealistisch niedrige Preise oder „Rund-um-die-Uhr"-Versprechen

Nachweis der Entsendung (A1-Bescheinigung)

Verlangen Sie die A1-Bescheinigung vor Arbeitsbeginn und bewahren Sie sie auf.

Pflegeberatung einbinden

Nutzen Sie kostenlose und unabhängige Pflegeberatung, um Angebote zu prüfen und rechtliche Sicherheit zu gewährleisten.

Faire Arbeitsbedingungen schaffen

  • Feste Arbeitszeiten und Pausen
  • Ruhezeiten von mindestens 11 Stunden täglich
  • Freizeit für die Betreuungskraft
  • Eigenes Zimmer oder Rückzugsort mit Privatsphäre

Dokumentation führen

  • Arbeitszeiten und Aufgaben dokumentieren
  • Besondere Vorkommnisse notieren
  • Kommunikation mit Agentur oder Pflegedienst festhalten

Dies schützt alle Beteiligten und zeigt, dass Angehörige ihrer Verantwortung nachkommen.

Fazit

Gute Pflege darf nicht auf Kosten der Legalität oder der Betreuungskraft gehen. Das Bundesarbeitsgericht-Urteil verdeutlicht, dass Betreuungspersonen Anrecht auf faire Bezahlung, klare Arbeitszeiten und Schutz vor Ausbeutung haben.

Wer eine Betreuungskraft beschäftigt, trägt Verantwortung – aber darin liegt auch eine Chance, ein Umfeld zu schaffen, das rechtlich sicher, menschlich fair und langfristig tragfähig ist. Legale Pflege ist nicht nur möglich – sie ist die Voraussetzung für gute Pflege.

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